Die Herzwurmerkrankung, eine potenziell tödliche parasitäre Infektion bei Hunden, hat eine weitaus ältere und komplexere Geschichte als bisher angenommen. Neue Forschungsergebnisse, die in Communications Biology veröffentlicht wurden, deuten darauf hin, dass sich der Parasit Dirofilaria immitis über Jahrtausende hinweg gemeinsam mit Caniden – darunter Wölfen und Dingos – entwickelt hat, lange bevor der Mensch einen nennenswerten Einfluss hatte.
Der spaghettiartige Parasit: Eine tödliche Bedrohung
Die Herzwurmerkrankung wird durch Mücken auf Hunde übertragen. Die Würmer selbst können bis zu 30 cm lang werden und leben im Herzen und in der Lunge. Tierärzte beschreiben sie oft als Spaghettistränge. Unbehandelte Infektionen können tödlich sein.
Rekonstruktion der Parasitengeschichte durch Genetik
Ein internationales Team analysierte über 100 Herzwurmgenome, die von Hunden und wilden Caniden weltweit gesammelt wurden. Die Sequenzierung des gesamten Genoms ergab unterschiedliche regionale Populationen, die durch die Bewegungen alter Hunde während der Eiszeiten geprägt waren. Dies stellt die lange gehegte Annahme in Frage, dass sich Herzwürmer hauptsächlich durch moderne menschliche Aktivitäten verbreiten.
Australiens alte Verbindung
Genetische Signaturen australischer Herzwürmer deuten auf einen möglichen Zusammenhang mit in Asien vorkommenden Parasiten hin. Die Forschung legt nahe, dass der Herzwurm möglicherweise mit den ersten Dingos nach Australien gekommen ist, die vor Tausenden von Jahren aus Asien eingewandert sind. Obwohl dies nicht endgültig ist, deutet dies auf einen alten Zusammenhang vor der europäischen Kolonisierung hin.
„Jahrzehntelang gingen wir davon aus, dass Herzwürmer hauptsächlich durch jüngste menschliche Aktivitäten verbreitet wurden. Was wir stattdessen sehen, ist ein Beweis für eine tiefe Koevolution zwischen Herzwürmern und ihren Hundewirten, noch bevor der Mensch Teil des Bildes war.“ —Dr. Rosemonde Power, Paläogenetikerin an der Universität Stockholm
Warum das wichtig ist: Arzneimittelresistenz und zukünftige Forschung
Das Verständnis der Evolution des Parasiten ist nicht nur akademisch; es hat Auswirkungen auf die reale Welt. Wie bei Antibiotika entwickelt auch der Herzwurm eine Resistenz gegen gängige Behandlungsmethoden. Die Kenntnis der Herkunft und der genetischen Vielfalt des Parasiten kann Wissenschaftlern dabei helfen, wirksamere Präventions- und Behandlungsstrategien zu entwickeln. Weitere Forschungen, insbesondere in unterrepräsentierten Regionen, könnten das Geheimnis um den frühesten Ursprung des Herzwurms lüften.
Letztendlich zeigt die Studie, dass die Evolution des Herzwurms komplizierter ist als eine einfache Geschichte von Parasiten, die mit modernen Hunden trampen. Bei der Behandlung dieser uralten Krankheit ist die lokale Geschichte von Bedeutung.
