Das Maul eines alten Vogels enthüllt tiefe Wurzeln der Vogelmerkmale

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Der früheste bekannte Vogel, Archaeopteryx, ein 150 Millionen Jahre alter Dinosaurier aus der Jurazeit, besaß überraschend moderne Merkmale in seinem Maul, die neue Einblicke in die Entwicklung der Vögel seit ihren terrestrischen Dinosaurier-Vorfahren boten. Eine kürzlich in The Innovation veröffentlichte Studie beschreibt detailliert die Entdeckung von Strukturen, die bisher in Fossilien dieser Zeit nicht zu sehen waren, darunter orale Papillen (fleischige Höcker, die wie Zähne zur Nahrungsführung dienen) und ein kleiner Zungenknochen. Diese Ergebnisse bestätigen, dass wichtige Vogelmerkmale keine neueren Entwicklungen sind, sondern bereits seit dem Auftauchen der ersten Vögel vorhanden sind.

Das Rätsel von Archaeopteryx

Archaeopteryx war schon immer eine herausfordernde Art für Paläontologen. Obwohl es sich eindeutig um einen Dinosaurier handelt, wird sein Status als „erster Vogel“ durch die Anwesenheit anderer gefiederter Dinosaurier erschwert, die nicht zum echten Flug fähig waren. Die Abgrenzung dieser Übergangsformen war bisher schwierig. Jingmai O’Connor, stellvertretender Kurator am Field Museum in Chicago, erklärt: „Lange Zeit gab es nur sehr wenige Dinge, von denen wir sagen konnten, dass sie den Übergang von Landdinosauriern zu Flugvogeldinosauriern wirklich charakterisieren.“

Verborgene Details ans Licht bringen

Das Forschungsteam verbrachte über ein Jahr damit, ein Museumsexemplar des Archaeopteryx sorgfältig vorzubereiten und dabei UV-Licht zu verwenden, um versteinerte Weichteile wie Federn und Haut freizulegen. Durch diesen sorgfältigen Prozess identifizierten sie winzige Details, die zuvor übersehen worden waren, darunter scheinbar leuchtende Punkte auf dem Gaumen. Es stellte sich heraus, dass es sich hierbei um die ersten dokumentierten oralen Papillen im Fossilienbestand handelte – ein Merkmal, das man bei modernen Vögeln findet und dabei hilft, die Nahrung in Richtung der Speiseröhre und von der Luftröhre weg zu leiten.

Jenseits der Papillen: Eine bewegliche Zunge und ein sensibler Schnabel

Eine weitere Untersuchung mittels CT-Scans ergab zusätzliche Vogelmerkmale. Das Vorhandensein eines Splitters eines Zungenknochens deutet darauf hin, dass Archaeopteryx eine sehr bewegliche Zunge hatte, ähnlich der vieler heutiger Vögel, die es ihm ermöglichte, Nahrung effektiv zu greifen und zu manipulieren. Das Fossil zeigte auch Nervenenden an der Spitze seines Schnabels, was auf ein „Schnabelspitzenorgan“ hindeutet, eine weitere häufige Anpassung moderner Vögel, die zur Nahrungssuche verwendet werden.

Warum das wichtig ist

Bei diesen Entdeckungen geht es nicht nur darum, archaische Merkmale zu identifizieren; Sie beleuchten die energetischen Anforderungen des Fliegens. Vögel benötigen ein hocheffizientes Verdauungssystem, um ihren hohen Stoffwechsel aufrechtzuerhalten. Die Entwicklung von Mundpapillen, Zungenknochen und Schnabelspitzenorganen hätte Archaeopteryx dabei geholfen, den Kalorienbedarf des Motorflugs zu decken – Eigenschaften, die so vorteilhaft waren, dass sie über Millionen von Jahren der Vogelentwicklung hinweg bestehen blieben.

O’Connor kommt zu dem Schluss: „Diese Entdeckungen zeigen diese wirklich deutliche Veränderung in der Art und Weise, wie Dinosaurier sich ernährten, als sie zu fliegen begannen und den enormen Energiebedarf des Fluges bewältigen mussten.“

Die Archaeopteryx -Studie unterstreicht, dass das, was wir an modernen Vogelmäulern für „seltsam“ halten, überhaupt nicht neu ist, sondern eine uralte Adaption, die über 150 Millionen Jahre verfeinert wurde.