Sie haben einen neuen Affen gefunden. Wieder. Irgendwie.
Dieser versteckt sich im dichten Grün der Demokratischen Republik Kongo. Konkret der Lomami-Nationalpark. Es kommt einem bekannt genug vor, bis man genauer hinschaut. Viel näher.
Dann sieht man die Lippen. Leuchtendes Orange. Ein markanter Fleck, der den Mund umrahmt und dem Rest von uns ein düsteres Gefühl der Normalität verleiht. Dann hört man es. Ein tiefes, krächzendes Geräusch. Kein Zwitschern. Kein Kreischen.
Es hört sich an, als würde ein Schwein schnauben. Oder vielleicht ein Frosch, der Kies gefressen hat.
Am Mittwoch gaben Wissenschaftler diesem Primaten endlich einen Namen. Colobus congoensis. Auch die Einheimischen hatten schon eins dafür: Likweli. Die große Überraschung hierbei ist nicht nur, dass es sich um eine neue Art handelt – erst der fünfte afrikanische Affe, der in 75 Jahren identifiziert wurde –, sondern auch, dass wir bereits wussten, dass es sie gibt. Die Einheimischen hatten sie schon immer gesehen. Wir haben uns einfach nie die Mühe gemacht, es offiziell aufzuschreiben. Bisher.
Zwei Jahrzehnte im Busch
Es erfordert Geduld, ein so großes Tier in einem Wald zu verlieren. Diese Jagd begann bereits im Jahr 2008.
Damals gehörte Junior Amboko zum Forschungsteam. Sie haben ein Foto gemacht. Das Bild war verschwommen und körnig, die Art von Aufnahme, die man normalerweise löscht. Aber Amboko hat es behalten.
Warum?
Weil sich etwas falsch anfühlte. Oder besser gesagt: seltsam. Das Gesicht sah seltsam aus. Aber verschwommene Fotos gewinnen keine wissenschaftlichen Debatten. Nicht ohne weitere Beweise.
Jahre vergingen. Dann tauchten weitere Bilder auf. Bei diesen fehlte etwas: ein Daumen. Kein Daumen ist ein klares Zeichen. So erkennt man einen Colobus -Affen. Das Fehlen eines Greiffingers ist ein Kompromiss für effizientes Schwingen, erhöht aber auch den Einsatz.
Handelt es sich um eine neue Art? Oder einfach nur ein seltsamer Cousin des schwarzen Stummelaffen? Amboko war sich nicht sicher. Unterarten oder Arten sind eine Grenze, die oft mit der Politik und nicht nur mit der Biologie verbunden wird.
Im Jahr 2020 änderten sich die Dinge. Das „Likweli-Projekt“ ist gestartet. Dabei ging es nicht nur darum, mehr Selfies zu machen. Sie brauchten harte Daten.
Das Team sammelte weitere Fotos. Sie zeichneten die Anrufe auf und fingen so die verstörende Schweine-Frosch-Symphonie ein. Sie analysierten sogar Gewebeproben von toten Affen, die bei illegalen Jagden beschlagnahmt wurden. Es ist eine düstere Arbeit, notwendig, aber unrühmlich.
Diese DNA hat gesprochen.
Ein genetischer Schock
Kate Detwiler, außerordentliche Professorin an der Florida Atlantic University und leitende Autorin der Studie, gibt zu, dass die Ergebnisse sie hart getroffen haben.
Die genetische Divergenz war tief. Nicht nur ein kleiner Ast am Baum. Ein ganz neuer Kofferraum.
„Wir waren schockiert über die genetischen Daten“, sagte Detwiler. Es war ein Signal, das die Trennung vom schwarzen Stummelaffen, seiner sogenannten „Schwesterart“, schrie.
Amboko nannte es Colobus congoensis. Eine Anspielung auf die chaotische, unglaubliche Artenvielfalt des Landes. Er ist dort Doktorand, aber er wusste, was der Affe brauchte. Ein Name. Ein Ort. Erkennung.
Die Kreatur ist klein. Erwachsene bringen mehr oder weniger etwa fünfzehn Pfund auf die Waage. Sie haben diesen orangefarbenen Mundring. Dazu ein Büschel feiner weißer Haare direkt am Hintern. Ein letzter Schwung. Ein Abzeichen der Identität.
Das bereitgestellte genetische Signal war klar. Es war keine Variante. Es war etwas ganz anderes.
Bereits gefährdet
Hier ist der Teil, der weh tut.
Als wir ihren Namen kannten, war die Bedrohung bereits auf sie zugekommen. C. congoensis hat ohne Intervention keine Chance. Das Wachstum der menschlichen Bevölkerung frisst ihren Wald auf. Jäger wollen sie. Sie stehen von Anfang an unter Druck.
Die Forscher verschwendeten keine Zeit. Das neue Papier in PLOS One empfiehlt der IUCN sofort, diese Affen als gefährdet einzustufen. Es ist ein krasses Etikett. Eines, das normalerweise mit einem Hauch von Panik einhergeht.
Sie haben orangefarbene Lippen. Sie haben Froschrufe. Und wenn der Wald verschwindet, werden sie möglicherweise nicht bis ins hohe Alter überleben.
Also haben wir sie benannt. Wir haben eine Arbeit geschrieben.
Jetzt beginnt der schwierige Teil.
